Die Valposchiavo in Zahlen und Fakten

Die Fläche der Valposchiavo (237km2) entspricht ziemlich genau der Fläche des Kanton Zug, nur mit ungefähr 25 Mal weniger Einwohnern. Auf 4500 Einwohner gibt es in der Valposchiavo sechs Weinproduzenten, fünf Bäckereien, vier Metzgereien, zwei Kräuterproduzenten, einen Bierbrauer, eine Bio-Käserei und eine Pasta Fabrik.

Bis in die 1970er Jahren war der kleine Weiler Viano oberhalb von Brusio einer der wichtigsten Umschlagplätze für Kaffee und Zigaretten, die nach Italien geschmuggelt wurden. Einige der Schmugglerpfade sind noch heute begeh- oder in unserem Falle mit dem Bike befahrbar.

Zwischen den beiden Seen des Berninapasses Lago Bianco und Lej Nair liegt die Wasserscheide zwischen der Adria und dem Schwarzen Meer. Auch verläuft hier die Sprachgrenze zwischen Italienisch und der Valposchiavo Rätoromanisch, bzw. Deutsch im Engadin.

100% Valposchiavo – 100% aus der eigenen Vorratskammer

In der Valposchiavo ist die Landwirtschaft vielfältig, exotische Früchte, Fleisch aus Argentinien oder Wein aus Frankreich oder Spanien findet man hier praktisch keine. Im Tal ist man unabhängig und die Milch- und Fleischproduktion sowie der Gemüse und Weinanbau haben eine lange Tradition. Neuerdings spriest gar wieder Getreide auf den Ackern des Südtales am Fusse des Berninamassives.

Um die Entwicklung der im Tal Produzierten Lebensmittel zu fördern und über die Grenzen hinaus bekannt zu machen lancierten der Bauernbund und der Gewerbeverband in Zusammenarbeit mit der Tourismusorganisation das Label „100% Valposchiavo“ . Mit diesem Label werden Produkte bezeichnet die ausschliesslich aus Rohstoffen aus dem Tal bestehen. Aktuell tragen sogar bereits dreizehn von zweiundvierzig Restaurants dieses Label. Das Projekt „100% Valposchiavo“ ist sogar mit dem CIPRA Schweiz Preis für nachhaltigen Tourismus ausgezeichnet worden, dies deshalb, weil es auf innovative Art und Weise einen dauerhaften Mehrwert für die nachhaltige Entwicklung in Berggebieten erzielt.

Mountainbiken in der Valposchiavo

Es ist nicht das erste Mal, dass wir zum Biken in der Valposchiavo sind, aber zum ersten Mal haben wir ein Hotel im Tal als Ausgangspunkt für unsere Touren gewählt. Das Hotel La Romantica in Le Prese ist eines von vielen Bikehotels im Tal und für unser Weekend bestens geeignet.

Das Gastgeberpaar Sandra und Flavio führen den Betrieb seit vielen Jahren mit grosser Leidenschaft. Während unserem Aufenthalt war das Haus mit Stammgästen ausgebucht. Flavio erzählte uns, dass es Gäste darunter hat, die mehrmals im Jahr zu Besuch kommen und das sogar seit über 10 Jahren. Die Stammkundschaft ist ihm wichtig und man spürt den Familiären Umgang im Hause. Sandra und Flavio sind hervorragende Gastgeber und leidenschaftliche  Biker. Wer sein eigenes Bike nicht mitnimmt, kann im La Romantica bequem eines mieten. Zudem ist der Betrieb ebenfalls einer von dreizehn ausgezeichneten „100% Valposchiavo“ zertifizierten Restaurants im Tal. Und ja, wir können euch Bestätigen, Flavio kocht sensationell!

Es ist Ende Herbst, die Sonne blinzelt kurz nach 9 Uhr zum ersten Mal über die Bergspitzen am Ufer des Lago di Poschiavo und beginnt mit ihren Strahlen langsam das Tal mit Wärme und Licht zu füllen.

Am Morgen ist es noch kühl, der See dampft. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Produkten von lokalen Produzenten, machen wir uns parat zum Biken. Wir starten unser Weekend mit den klassischen Touren am Berninapass. Die Rhätische Bahn bringt uns samt unseren Bikes direkt von der Hoteltüre hinauf zur Passhöhe.

Einen besseren Shuttle-Service können wir uns gar nicht wünschen. Auf der Passhöhe angekommen fahren wir dem Lago Bianco entlang bis zum Ende des Seeufers wo uns ein steiler, breiter Schotterweg hinauf zur Alp Sasso Masson führt. Die mittlerweile gelb-braun verfärbten Alpwiesen bilden einen starken Kontrastpunkt zu den nun aufgezogenen dunklen Wolken.



Wir haben Glück, zu regnen beginnt es noch nicht. Die Trails sind menschenleer. Die meisten Schulferien sind Ende Oktober zu Ende und das wechselhafte Wetter reizt nur noch wenige Touristen sich auf den Wanderwegen aufzuhalten.



                       

Wir machen drei technisch komplett verschiedene Abfahrten. Nach den ersten beiden stoppen wir in Cavaglia und wärmen uns im gemütlichen „Rifugio Cavaglio“ bei einer leckeren Portion Capunet wieder auf.

Vollgetankt mit frischer, lokaler Energie nehmen wir die letzte Runde in Angriff. Eine lange Abfahrt von der Passhöhe via der „Alp La Rösa“ auf Säumerpfaden und verspielten, schnellen Wurzeltrails bis herunter nach Poschiavo.



Wie bei uns ein perfekter Bike-Tag endet? Natürlich mit einem Aperitivo in Poschiavo. Heute ist das Wetter jedoch nicht einladend genug um den Tag draussen auf der Piazza ausklingen zu lassen, es hat zu regnen begonnen.

                      

Wir verschieben das Après-Bike Bier nach drinnen und essen danach fantastisch im Hotel Albrici à la Poste zu Abend. Der Betrieb gehört ebenfalls zu den mit „100% Valposchiavo“ ausgezeichneten Restaurants.


Ein Wochenende in der Valposchiavo reicht lediglich dazu, um an der Oberfläche des unglaublich vielfältigen Mountainbike-Angebotes zu kratzen. Dieses kleine aber feine Tal hat in Bezug auf Trails einfach zu viel zu bieten.


Für Sonntag haben wir uns für eine abgekürzte Tour (433 Poschiavo-San Romerio) ohne Shuttle-Unterstützung entschieden. Wir starten direkt vom Hotel in Richtung Poschiavo von wo wir über einen gemächlichen Aufstieg vorbei an Cologna zum Traileinstieg gelangen.


                     

Von dort aus fahren wir wieder auf Singletrails der in einen alten Säumerpfad führt hoch über dem Lago Poschiavo bis hinunter ans Seeufer. Die Runde ist die perfekte Halbtagestour. Für uns passte diese Tour zum wunderbar als Abschluss, denn wir wollten nicht allzu spät heimkommen am Sonntagabend.

Das Kräuter Paradies

Der Anbau von Tee- und Gewürzkräutern spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in der lokalen Landwirtschaft der Valposchiavo. Mit der Azienda Agricola Biologica Al Canton und Raselli Erboristeria Biologica haben sich gleich zwei Betriebe auf dieses Nischenprodukt spezialisiert. Beide Kräuter-Betriebe folgen den Richtlinien von Bio Suisse und liefern ihre Produkte zur Herstellung von Ricola Kräuterzucker. Das warme und trockene Klima im in der Valposchiavo mit leichten, steinreichen Böden bietet die perfekte Umgebung für Salbei oder Thymian – zum Teil auf über 1000 Metern über dem Meer.

Weitere Sorten die auf den Feldern in Le Prese angebaut werden sind:
Apfelminze, Arnika, Basilikum, Bohnenkraut, Brennnessel, Edelweiss, Goldrute, Holunderblüte, Frauenmantel, Kamille, Kornblumen, Liebstöckel, Majoran, Malve, Orangenminze, Oregano, Petersilie, Pfefferminze, Ringelblume, Rose, Salbei, Schafgarbe, Sonnenblume, Spitzwegerich, Thymian, Verveine, Zitronenmelisse, Zitronenthymian

Wir sind verliebt!

Es gibt unzählig viele Möglichkeiten sich in der Valposchiavo zu beschäftigen und die Freizeit zu geniessen. Die Valposchiavo, vereint der sportliche, kulinarische und kulturelle Geniessergeist auf eine wunderbar unkomplizierte Art und Weise. Wir haben uns verliebt und werden ganz bestimmt wiederkommen, denn es gibt noch soooo vieles zu Entdecken.

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